VCD in NRW – aktiv für nachhaltige Mobilität! (kl. Nachlese zur Tagung)

Am 28.September 2013 feierten der VCD Landesverband NRW gemeinsam mit dem VCD Regionalverband Köln und Gästen ihr 25jähriges Jubiläum mit einem ganztägigen Programm im Ambiente der Veranstaltungshalle des Straßenbahnmuseums Köln-Thielenbruch.

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In den Grußworten zu diesem VCD-Fachtag brachte Reiner Kraft (Vorstand im VCD Regionalverband Köln) große Wertschätzung der sehr engagierten, ausdauernden und erfolgreichen ehrenamtlichen Arbeit von VCD-Mitgliedern in der Region zum Ausdruck. Der VCD erfreue sich nicht nur eines konstanten Zuwachses an Mitgliedern, sondern besonders auch der Zunahme an ehrenamtlich aktiver Mitarbeit. Jürgen Eichel, Sprecher des VCD NRW, räumte ein, dass der VCD leider – oder zum Glück – auch die nächsten 25 Jahre nicht überflüssig werden würde.
Aus den verlesenen Grußnoten gab der Verkehrswissenschaftler Prof. Heiner Monheim das Stichwort für die Tagung: Fußgänger- und Radverkehr werden gemeinhin als „schwache“, weil nichtmotorisierte, Verkehrsteilnehmer klassifiziert, dabei seien sie es doch, die wirklich aktiv mobil sind (active mobility).

Dem Bundesvorsitzenden des VCD, Michael Ziesak, fiel es zu, in seiner Keynote über eine „Vision des VCD für die Mobilität der Zukunft“ zu sprechen. Visionen entwickeln Umsetzungskraft, wenn sie gewollt mit einem konkreten Handlungsprogramm verknüpft werden. So formulierte z.B. Willy Brandt 1961 für NRW die Vision „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“. In der Verkehrspolitik herrsche heute aber immer noch das Mantra für ein weiteres quantitatives Wachstum im Personen- und Güterverkehr. „Mehr Verkehr“ schreibt Bundesverkehrsminister Ramsauer für die Zukunft fort. Dabei ist aus fundierten Studien bekannt, dass die täglichen Wegezeiten und die Anzahl der zurückgelegten Wege seit Jahren konstant sind, allein die zurückgelegten Entfernungen nähmen zu. Eine „Mehr Verkehr“-Politik ignoriere übrigens völlig die Auswirkungen des demografischen Wandels in der Gesellschaft. Dass sich der Modal Split von der Autodominanz lösen kann, beweisen heute schon die Best Practises in anderen europäischen Metropolen: In Kopenhagen liegt der Radverkehrsanteil bei bis zu 40% (2012), im NRW-Mittel sind es dagegen nur etwa 12,5% (Stadt Münster:38%). Wien hat es innert weniger Jahre geschafft, mit einer sehr gut ausgebauten ÖV-Infrastrukturqualität den ÖPNV-Anteil auf 39% anzuheben (MIV 19%) und ein Jahreskarten-Abonnement einzuführen, das nur 1 € pro Tag kostet. Gelebte Utopie von intelligenter Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger demonstriert in Deutschland z.B. HANNOVERmobil.

Jürgen Fenske, Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) würdigte die 25 Jahre VCD NRW und VCD Köln als eine große Erfolgsgeschichte und bedankte sich für die herausfordernde, konstruktiv-kritische und professionelle Begleitarbeit am Beispiel des ÖPNV-Arbeitskreises des VCD Köln und der KVB AG (Meilensteine u.a. die Uni-Buslinie und der Nachtverkehrstakt). Das Straßenbahnmuseum sei eigentlich eines für Elektromobilität und die e-mobil-Förderung der Autoindustrie ein Zeichen von Fehlallokation, bemerkte Fenske.
Die künftige Bundesregierung wird sich der Zukunft der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs und seiner Infrastruktur mit deutlichen politischen Entscheidungen widmen müssen. Für die Agenda liegen die Berichte der Bodewig-Kommission und der ÖPNV-Zukunftskommission NRW vor.
vdFp1160333 Fenske ging in seinem Beitrag vor allem auf die großen finanziellen Belastungen des ÖPNV ein, für die bisher keine adäquaten Finanzierungslösungen in Aussicht stehen. Er warnte davor, im Zuge der Diskussion um die EEG-Umlage-Ermäßigung für energieintensive Unternehmen, diesen Bonus bei den Verkehrsbetrieben zu streichen und bezifferte die zusätzliche Mehrbelastung der ÖV-Verkehrsträger mit 230 Mio Euro/Jahr in Deutschland bzw. 7 Mio Euro/Jahr für die Kölner Verkehrsbetriebe. Im weiteren Vortrag fokussierte Fenske auf die Finanzierung der ÖV-Infrastruktur als eigentlichem Nadelöhr für die Ausweitung des ÖPNV. Dabei gebe es keine Erkenntnisprobleme mehr sondern nur noch Umsetzungsdefizite konkreter Lösungsvorschläge. Die Bodewig-Kommission habe den Mittelbedarf von 7,2 Mrd Euro/Jahr allein für die ÖV-Infrastruktur-Erhaltung ermittelt, darin ist der Bedarf für den dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur noch gar nicht enthalten. Die KVB benötige bis zum Jahr 2025 rund 750 Mio Euro für die Infrastruktur. Woher soll das Geld kommen? Der VDV spricht sich für mehrere Refinanzierungsbausteine aus: Umwidmung des Solidaritätszuschlags alleinig für die ÖV-Verkehrsinfrastruktur, allgemeine Lkw- und Pkw-Maut mit Vignetten, eine Ermächtigung der Kommunen durch den Bund für die mögliche Einführung einer individuellen City-Maut und einen Verkehrsinfrastrukturfonds nach dem Modell der Schweiz.

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In weiteren Vorträgen stellte Iko Tönjes die Arbeitsergebnisse der ÖPNV Zukunftskommission NRW vom August 2013 vor und erläuterte sie aus VCD-Perspektive. Jörg Thiemann-Linden vom difu Berlin/Köln blickte auf Stadtentwicklung und –verkehr vor 25 Jahren zurück und in 25 Jahren voraus. Britta Rohr informierte als Regionalkoordinatorin NRW über das neue VCD-Projekt Klimaverträglich mobil 60+.

Medial und provokativ ansprechend präsentierte Michael Adler, Geschäftsführer der fairkehr Verlags GmbH und der Agentur tippingpoints in Bonn, „Sieben Regeln zur Verhaltensänderung für den Klimaschutz“. Im Grunde gehe es darum, klima- und sozialunverträgliches Mobilitätsverhalten auf mittlere Sicht kulturell unmöglich werden zu lassen – so wie es im Großen und Ganzen heute schon beim Rauchen der Fall ist. Adler setzt dabei auf gut verständliche, publikumswirksame Botschaften, die mit einem positiv gestimmten Kick und Augenzwinkern zum Überdenken und Andershandeln anregen. Der Schlüssel zum Erfolg liege in der zielgerichtete Emotionalisierung mit und in Kampagnen. Oft seien es dabei kleine Impulse, Menscheln und eine Prise Spaß, die große Wirkung erzielen.

Mit einer Führung durch das Straßenbahnmuseum, Buffet, Kabarett und Musik feierten die VCD-Freunde und Freundinnen bis in den späten Abend den Ausklang des rundum wohl organisierten und gelungenen Jubiläums-Fachtages.

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