Die „Initiative DEMOGRAFIE A K T I V“ will Betriebe in NRW bei Aktivitäten unterstützen, die ihre Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit im demografischen Wandel sichern. Die ersten zwölf Betriebe haben Ende April die neue Auszeichnung „DEMOGRAFIE AKTIV“ vom Land NRW entgegen genommen. Das Siegel wird gemeinsam vom NRW-Arbeitsministerium, den Gewerkschaften und den Arbeitgebern verliehen.

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Die zwölf prämierten Betriebe hatten bereits am Pilotverfahren der Initiative im Rahmen eines Modellprojektes 2008-2010 teilgenommen.

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Bei der Auftaktveranstaltung zur Initiative mit Siegelverleihung am 29. April 2013 in Düsseldorf sagte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider u.a.: „In Zeiten des demografischen Wandels müssen alternsgerechte Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt an erster Stelle stehen. Eine Unternehmenskultur, die die Beschäftigten stärker bei der Gestaltung ihrer Arbeit einbezieht, ihre spezifischen Fähigkeiten und Potentiale berücksichtigt und fördert und eine Vereinbarung von Familie und Beruf ermöglicht, ist das Beste, was Betriebe gegen den drohenden Fachkräfteengpass tun können.“

Horst-Werner Maier-Hunke, Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW, vertraut auf die Innovationsfähigkeit der Unternehmen in NRW auch mit durchschnittlich älteren Belegschaften. Die Erwerbsquote der über 55-jährigen nehme im europäischen Vergleich hierzulande einen Spitzenplatz ein. Geistig bewege sich hinsichtlich demografischer Entwicklungsaspekte schon viel in den Unternehmen, mit konkreten Maßnahmen würden sie jedoch oft noch hinterherhinken, sagte Maier-Hunke im Podiumsgespräch. Das Demografie-Thema sei seit 4-5 Jahren im Zuge des Fachkräftemangels evident, es gelte nun passende Flexibilisierungsstrategien im Interesse der Beschäftigten und der Unternehmen als Antwort zu finden. „Gesund bleiben – gesund alt werden“ läge mit in der unternehmerischen Verantwortung für Gesundheitsmanagement im Betrieb und natürlich auch in der Selbstverantwortung der Mitarbeiter.

Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes NRW, betonte in seinem Diskussionsbeitrag, dass für hochwertige Produkte und Dienstleistungen auch in Zukunft die erfahrenen, gesunden und motivierten Beschäftigten die beste Voraussetzung sind. Vorbeugender Arbeits- und Gesundheitsschutz und alternsgerechte Gestaltung der Arbeit sind deshalb gefragt und lohnen sich.

Minister Schneider bekräftigte, dass sich vorbeugende betriebliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung für das Unternehmen auch gesamtwirtschaftlich rentieren. In NRW als exportabhängiges Industrieland bräuchte es deshalb nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen eine Art „Gesamtprogramm zur Humanisierung der Arbeit.“

Das Management-Instrumentarium der Initiative „DEMOGRAFIE AKTIV“ wurden in einem Projekt unter Leitung der GOM mbH und der TBS NRW entwickelt. Es gibt damit einen weiteren Leitfaden zur Umsetzung eines praxisgerechten Demografie-Prozesses in Unternehmen jeder Größe und Branche. Der konkrete Prozess im Betrieb soll damit unternehmensspezifisch gestaltet und angewendet werden.
Das Management-Instrument und die Arbeitsmaterialien seien bundesweit einmalig, unterstrich Dr. Thomas Mühlbradt (GOM). Der Prozess ist im Grunde in einem Dreischritt strukturiert: „Was ist? (Analyse), Was bedeutet das? (Ableitung möglicher Folgewirkungen), Was ist zu tun? (Ziele und Handlungsmaßnahmen)“. Ein Unternehmen, das den „DEMOGRAFIE AKTIV“-Prozess durchschritten hat (ganz selbstständig oder mit fachlicher Begleitung, z.B. im Rahmen einer Potentialberatung NRW), diesen Prozess und sein Handeln dokumentiert und dann einen Antrag auf das Siegel stellt, wird von der Servicestelle der Initiative begutachtet (Dokumentation und Vorort-Besuch).
Die Siegelvergabe erfolgt nach Prüfung des Gutachtens durch die drei Träger der Initiative „DEMOGRAFIE AKTIV“.

Das Angebot der Initiative „DEMOGRAFIE AKTIV“ ist für Betriebe aus NRW kostenfrei:
Die Servicestelle bietet Interessierten vor, während und nach dem „DEMOGRAFIE AKTIV“-Prozess Unterstützung und hilft bei der Bewerbung um das Siegel. Ein sog. Quick-Check, das Management-Instrument und ein Leitfaden stehen frei nutzbar zur Verfügung.

Zwei Praxisberichte aus Unternehmen stellte die Veranstaltung in Düsseldorf detaillierter vor:

Die GIRA Giersiepen GmbH & Co. KG, ein Hersteller intelligenter Elektroinstallations- und Gebäudesystemtechnik in Radevormwald, ist ein Familienunternehmen mit rund 1100 Beschäftigten in 38 Ländern. Personalleiter Martin Brochhaus benannte die auslösenden Faktoren, warum sich GIRA mit dem Demografiethema im Unternehmen beschäftigt: Mit dem Auslaufen der staatlichen Förderung der Altersteilzeit seit Ende 2009 war man bei GIRA damit befasst, wie die Firma weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber bleiben will. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit der Belegschaft beträgt immerhin 20-40 Jahre! Auch Lutz Faßbender war trotz Arbeitsüberlastung als Betriebsratsvorsitzender sehr froh, dass die Wirkungen des demografischen Wandels im Betrieb zum Thema gemacht wurden. Mit der Sensibilität für dieses Thema änderten sich auch Sichtweisen. Seit drei Jahren werden zum Beispiel im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements und in Zusammenarbeit mit einem Gesundheitszentrum (Firmenmitgliedschaft) maßgeschneiderte Ausgleichsprogramme für bestimmte Jobgruppen angeboten. Dieses für die Mitarbeiter kostenfreie Angebot zur Gesundheitsförderung wird sehr geschätzt und intensiv genutzt. Der Krankenstand hat innerhalb von 2 Jahren um 0,6% abgenommen. Es gibt bei GIRA eine psychologische Hotline u.a. zur Burnout-Prävention, spezielle Altersteilzeitregelungen und Maßnahmen zur besseren vereinbarung von Familie und Beruf. Um Wissen und Qualifikation zu sichern, sind neue Lernpartnerschaften zwischen Jüngeren und Älteren sowie feste Stundenkontingente für die Weiterbildung vorgesehen.

Beim Aus- und Weiterbildungsträger BAJ e.V. in Bielefeld (90 MA, 450 TeilnehmerInnen) kam die Anregung aus einer Potentialberatung. Dr. Markus Schäfer-Willenborg, Geschäftsführer, wollte wissen, ob der BAJ „ein Demografieproblem“ habe, diese Frage u.a. aufgrund des großen Altersunterschieds zwischen Mitarbeitenden und den Jugendlichen als Maßnahmeteilnehmende. Beschäftigte, Betriebsrat und Geschäftsleitung haben im Rahmen des „DEMOGRAFIE AKTIV“-Prozesses die Potentiale und Handlungsbedarfe in Hinblick auf die vorhandene Altersstruktur der Beschäftigten analysiert. Fortbildungen zur Stressbewältigung und Arbeitsgruppen zur Optimierung der Zusammenarbeit im Team wurden realisiert. Ein Mitarbeiter hat sich zum coachenden Ombudsmann für psychische Fragen im Arbeitsalltag fortgebildet. Präventiv soll nun auch das Gesundheitsmanagement im Unternehmen angegangen werden.

Webseite der Initiative und Servicestelle DEMOGRAFIE AKTIV
www.demografie-aktiv.de
Presseinformation des NRW-Arbeitsministeriums mit Liste der Siegel-tragenden Unternehmen:
http://www.nrw.de/landesregierung/mit-demografie-aktiv-gut-aufgestellt..

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