Ökostrom bei Licht besehen

Unter der Bezeichnung „Ökostrom“ werden zu viele Produkte vermarktet, die dieses Prädikat nicht verdienen. Das ist das Ergebnis einer im Auftrag von Greenpeace erstellten Studie des Energiewissenschaftlers Uwe Leprich, Professor an der Hochschule Saarbrücken, die Mitte April veröffentlicht wurde.

Viele Ökostrom-Geschäftsmodelle der Energiekonzerne basieren demnach lediglich auf dem Handel mit Herkunftsnachweisen wie die sog. RECS-Zertifikate (Zertifikate zur Kennzeichung von Strom aus erneuerbarer Energien). Dabei kauft ein Stromunternehmen zum Beispiel in Skandinavien günstige Zertifikate für Öko-Strom aus Wasserkraft, nicht jedoch den Strom selbst. In Deutschland werde dann konventioneller Strom mit den Zertifikaten zu Öko-Strom umdeklariert.
Die Studie nennt deshalb zwei zentrale Kriterien für echte Öko-Strom-Angebote:
Investitionen des Stromanbieters in neue Kraftwerke und detaillierte Informationen über die tatsächliche Herkunft des Stroms.

Generell lässt sich festhalten, dass Ökostromangebote auf der Basis des Erwerbs von RECS-Zertifikaten in aller Regel keinen ökologischen Zusatznutzen haben. Das gilt auch für Angebote auf der Basis von Lieferverträgen aus bestehenden Altanlagen, z.B. Wasserkraftwerke, die vor der Strommarktliberalisierung im In- und Ausland errichtet wurden und ohnehin wirtschaftlich betrieben werden können.

„Viele Energieversorger betreiben nichts anderes als Greenwashing“, sagt Andree Böhling, Energie-Experte von Greenpeace. „Wenn ganze Städte so wie in Kassel, Friedrichshafen und Saarbrücken ohne Aufpreis über Nacht auf Öko-Strom umstellen, sollten die Kunden stutzig werden. Jedem muss bewusst sein, dass es Ökostrom nicht zum Nulltarif gibt. Schließlich ist er mit zusätzlichen Investitionen in umweltfreundliche Kraftwerke verbunden.“
Greenpeace-Studie „Fokus Ökostrom: Bestandsaufnahme und Perspektiven“

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